Erzeugerringberatung Südbayern

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Langsam geht´s los

Der Winter scheint vorüber. Die sehr kalten Tage von letzter Woche werden direkt von einem außergewöhnlich warmen Abschnitt abgelöst. Da durch die Schneedecke kein oder nur geringer Bodenfrost auftrat und vor allem die unteren Bodenschichten für die Jahreszeit sehr warm sind, wird das Wachstum der frühen Winterungen sehr schnell einsetzen. Es wird zunehmend sonnig und Niederschlag ist außer heute für den Rest des Februars eher unwahrscheinlich genauso wie ein Comeback der Winters. Was natürlich einen Kälteeinbruch im März nicht ausschließt.

Situation auf dem Feld

Nach einem eher durchwachsenen Herbst, in dem vor allem der Aussaatmonat Oktober etwas wechselhaft war, ging es nach einem sehr trockenen November eher feucht durch den Winter. Sieht man sich die Messstellen der Grundwasserstände an, kann von einer generellen Trendwende nicht gesprochen werden. Immer noch bewegen sich viele Pegel im knapp versorgten Bereich. Zu einer hohen Grundwasserneubildung kam es trotz vereinzelter oberflächlicher Überflutungen nicht. Trotz allem kann vor allem in oberen Bodenschichten von einer ausreichenden Winterfeuchte gesprochen werden, die vor allem auf tiefgründigen Standorten einige Zeit reichen wird.

Stand der Kulturen

Größere Schwierigkeiten beim Feldaufgang blieben aus, die Keimfeuchte war überall ausreichend. Auswinterungen wurden vom Schnee zuverlässig unterbunden. Vereinzelt kam es durch verzögerte Vorfruchternte und Unterbrechungen bei der Aussaat zu späteren Aussaaten als die letzten Jahre. Raps zeigt sich gut bis sehr gut entwickelt und konnte im Herbst stabile Bestände entwickeln. Ende September bestellte Wintergerste und Roggen sind ebenfalls eher auf der mastigen Seite und vor allem zweizeilige WG – Sorten kommen typischerweise Gelb aus dem Winter. Später etablierte Bestände sind normal entwickelt und geben keinen Anlass zur Sorge. Weizen, Dinkel und Triticale sind je nach Saattermin im ordentlichen Bereich. Auch hier sind zeitige Aussaattermine eher zu gut, vor allem bei nicht angepassten Saatstärken. Spätsaaten sind gleichmäßig aufgelaufen, konnten aber durch heuer frühere Vegetationsruhe nicht so aufholen wie die letzten Jahre.

Düngung generell

Bisher waren keine Maßnahmen möglich. Entweder herrschte Schneebedeckung oder Wassersättigung. Von der mangelnden Befahrbarkeit ganz zu schweigen. Die erste „Warmphase“ um den Monatswechsel Jan./Feb. Führte zu einem Ansteigen der Bodentemperaturen in 20cm von teilweise über 6°Grad. Eine deutliche Abkühlung gab es dann nicht mehr, nur einen leichten Rückgang. Aktuell bewegen wir uns bei 2 bis 4°Grad. Der Sonnenschein, und ab Mitte nächster Woche ausbleibender Bodenfrost, werden sich hier wieder deutlicher bemerkbar machen. Für uns in der Praxis steigt damit die Wahrscheinlichkeit einer frühen Mineralisation des Bodenstickstoffes. Die oft durch eine trocken – kalte Ostwindlage auftretende „Hungerphase“ zu Vegetationsbeginn sollte deshalb nicht so zur Geltung kommen. Im Umkehrschluss gibt uns das Zeit für eine Startgabe, ohne negative Auswirkungen befürchten zu müssen.

Startgabe Raps und Gerste

Der Montag und der Dienstag könnten frostig starten. Hier gilt es vorbereitet zu sein, um erste Maßnahmen durchführen zu können. Ob die Tragfähigkeit für eine organische Düngung ausreicht ist allerdings fraglich, eher unwahrscheinlich. Die Höhe der N-Menge ist vor allem beim Raps von Herbstentwicklung und Blattverlust abhängig. Je besser das Wachstum vor Winter, desto mehr Stickstoff wurde aufgenommen und kann im Frühjahr eingespart werden. Blattverluste hingegen müssen von der Pflanze kompensiert werden und brauchen Nährstoffe zum Start. Da wie angesprochen eine gute Herbstentwicklung gegeben ist, und nur wenig frostbedingte Blattverluste vorhanden sind, herrscht tendenziell etwas Einsparpotenzial. Ähnlich ist es bei der Gerste, ausgenommen von sehr gelben und schwachen Beständen kann hier eher mit den unteren Werten gearbeitet werden. Ausnahmen bilden sehr schwache Standorte, hier ist von einer Verlagerung des Stickstoffes in tiefere Bodenschichten auszugehen, und tonige Böden, die auf Grund der Wassersättigung und des fehlenden Sauerstoffs nur schwer in die Gänge kommen. Dies gilt auch auf Flächen, die Probleme mit der Bodenstruktur haben. Begrenzt wird die Startgabe vor allem aber durch die gesetzliche Regelung der Düngung auf Frost. Sollte als bei Bodenfrost gefahren werden, sind 60kg die Obergrenze. Ansonsten gelten trotz Düngeverordnung die „ortsüblichen“ Mengen von 60 bis 80kg N beim Raps und 50 bis 70kg N bei der Gerste (egal ob zweizeilig, mehrzeilig oder Hybrid).

N-Formen

Bei den frühen Kulturen stehen immer schwefelhaltige Dünger im Vordergrund. Die Stickstoffform sollte von Bodenart und Düngerhöhe abhängig gemacht werden. Eine nitratfreie Gabe war bei Gerste und Raps fast immer nachteilig, durch den frühen Start braucht es eine schnelle Wirkung. Der Nitratanteil sollte aber begrenzt werden. Vor allem auf leichteren Standorten mit „leerer“ Oberkrume besteht die Gefahr, dass die Pflanzen vollgepumpt werden. Die Feuchtigkeit in Verbindung mit hohen Nitratgehalten in der Bodenlösung für zu stark unterschiedlichen Salzkonzentrationen. Diese werden zwischen Boden und Wurzel ausgeglichen, ganz egal ob´s die Pflanze braucht oder nicht. In Folge führt ein erhöhter Nitratgehalt in der Pflanze zu instabilen Zellen die krankheitsanfälliger, lageranfälliger und frostanfälliger (Winter kann ja nochmal kommen) machen. Deshalb sollte auf maximal 30kg Nitrat begrenzt werden, zumal eine zügige Umwandlung des Ammoniumanteils zu Nitrat einkalkuliert werden muss. 60kg N = 30kg Nitrat bei KAS +S = 20kg Nitrat bei ASS = 0kg Nitrat bei Piamon/Alzon oder SSA.

Schädlinge Raps

Mit den steigenden Temperaturen kommen auch die Stängelschädlinge aus der Deckung. Erfahrungsgemäß sind die Zuflugraten gering, solange Nachtfröste herrschen und der Boden die 5°Gradmarke noch nicht erreicht hat. So ist zuerst in geschützten und sonnigen Lagen mit einem Auftreten zu rechnen. Auch wenn die erste (Fachleute) schon Panik verbreiten, die Hauptflugwelle dürfte sich erst ab Mitte nächster Woche in Bewegung setzten. Dennoch ist die Kontrolle des Einzelschlags die einzige Grundlage zur Bekämpfungsentscheidung. Die letzten Jahre gab es viele Gebiete, in denen einfach nichts los war. Genauso gab es aber Fälle, in denen der Zuflug auf Grund zu späten Aufstellens der Gelbschalen übersehen wurde.

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Zu den übrigen Zeiten ist ein Ansagedienst geschaltet, der wöchentlich aktualisiert wird