Ausgabe 04 / 2026

vom 08.05.2026

In dieser Ausgabe:

  • Das Grünland zwischen zwei Schnitten: Rückblick und Ausblick direkt zum Beitrag
  • Trotz niedriger Bestandeshöhen gingen die Gräser früh ins Ähren- und Rispenschieben direkt zum Beitrag

Das Grünland zwischen zwei Schnitten: Rückblick und Ausblick

 

  • Der erste Schnitt ist im Großteil des Ringgebietes – vor allem in den wärmeren Gunstlagen des Inntals – bereits geerntet worden. Dabei zeigten sich teils deutliche Unterschiede bei Ertrag und Qualität.
  • Auf den tiefgründigen, wasserversorgten Standorten mit nur leichten Frösten, konnten meist zufriedenstellende Erträge bei guten Qualitäten geerntet werden. Besonders positiv fielen die Bestände auf, die frühzeitig organisch und mineralisch gedüngt wurden.
  • Wurde die Düngung hingegen zu spät ausgebracht, konnte der Stickstoff aufgrund der ausbleibenden Niederschläge nicht mehr rechtzeitig pflanzenverfügbar werden und stand dem ersten Aufwuchs nicht ausreichend zur Verfügung.
  • Die anhaltenden Nachtfröste in den Tallagen, kombiniert mit zunehmendem Wassermangel, führten dazu, dass viele Bestandsbildner wie Wiesenrispe, vor allem aber die häufig vorkommenden negativen Gräser wie Gemeine Rispe oder Bastardweidelgras frühzeitig in die Notreife gingen. Die Folge war ein vorzeitiges Ähren- und Rispenschieben bei gleichzeitig geringer Wuchshöhe.
  • Auf diesen Standorten blieben die Trockenmasseerträge häufig unter den Erwartungen. Dennoch war ein früher Schnitt notwendig, um weitere Qualitätsverluste zu vermeiden. Der angekündigte Regen sorgte anschließend dafür, dass die Bestände wieder zügig und frisch nachwachsen konnten.
  • Durch die vielen Sonnenstunden in Verbindung mit den kühlen Temperaturen während des Aufwuchses entstanden sehr zuckerreiche Silagen. Deshalb sollte besonders auf die Gefahr der Nacherwärmung geachtet werden – vor allem bei zu früher Öffnung oder zu geringem Vorschub im Silo. Ebenso können die hohen Zuckergehalte Stoffwechselprobleme bei den Kühen verursachen.
  • Zum zweiten Schnitt kann die Düngung angepasst werden. Grundsätzlich empfehlen wir, auch beim zweiten Aufwuchs nicht zu stark einzusparen und ausreichend zu düngen. Da aber der Großteil der organischen Düngung vom ersten Schnitt noch nicht vollständig umgesetzt wurde und der erste Aufwuchs den ausgebrachten Stickstoff vielerorts nicht vollständig nutzen konnte, wird heuer in den meisten Fällen eine reduzierte Gabe von etwa 30 bis 40 kg N/ha ausreichend sein.
  • Wurde die Gülle jedoch erst sehr spät in die Bestände zum ersten Schnitt ausgebracht, waren aufgrund der trockenen und warmen Witterung trotz bodennaher Ausbringung die Nährstoffverluste vermutlich sehr hoch. Hier ist eine höhere Düngung, als die oben genannte, zum nächsten Aufwuchs Pflicht.
  • Über die Höhe der Düngegabe muss jeder Betriebsleiter selbst entscheiden. Je nach Standort, Wetterverlauf und Ertrag des ersten Schnittes unterscheiden sich die Ertragserwartungen von Betrieb zu Betrieb teils deutlich. Eine pauschale Düngeempfehlung lässt sich daher nicht treffen.
  • Mit den angekündigten Niederschlägen wird bei ausreichender Wasserversorgung die Mineralisation rasch einsetzen und den Pflanzen zusätzliche Nährstoffe bereitstellen, sodass trotz reduzierter Düngung entsprechende Erträge möglich sein sollten.
  • Allerdings besteht jetzt die Gefahr, dass die Pflanzen beim zweiten Schnitt noch schneller mit dem Ähren- und Rispenschieben beginnen, denn viele Bestände haben bereits im ersten Aufwuchs frühzeitig auf Stress reagiert.
  • Dieser Selbsterhaltungstrieb der Pflanzen kann dazu führen, dass die generative Entwicklung auch im zweiten Aufwuchs früher einsetzt. Umso wichtiger wird daher eine genaue Beobachtung der Bestände und ein rechtzeitiger Schnittzeitpunkt sein.
  • Wem der erste Schnitt allerdings zu strukturarm und gleichzeitig sehr energiereich geraten ist und wer noch ausreichend Platz im Silo zur Verfügung hat, kann den zweiten Schnitt bewusst etwas später ernten und dem ersten Schnitt beimischen.
  • Durch die strukturreicheren Futteranteile des späteren zweiten Aufwuchses lässt sich die Gesamtration oftmals deutlich ausgleichen und der nicht ganz optimale erste Schnitt gezielt verbessern.
  • Kontrollieren Sie auch Flächen und Lücken, die im Frühjahr nachgesät wurden. Durch den akuten Wassermangel keimte die Saat vielerorts zwar an, vertrocknete anschließend jedoch wieder. Um einen raschen und vollständigen Lückenschluss sicherzustellen, ist daher häufig eine erneute Nachsaat erforderlich.

Bild: Durch die vergangenen Niederschläge konnten die Bestände, die um den 1. Mai geerntet wurden wieder gut anwachsen Quelle: ER-Beratung

Bild: Die Frühjahrsnachsaat muss häufig erneut gesetzt werden, da die Keimlinge vertrockneten. Bild: ER-Beratung

Trotz niedriger Bestandeshöhen gingen die Gräser früh ins Ähren- und Rispenschieben

Bild: Auch Knaulgräser schoben früh die Samenstände und begannen zu verholzen. Bild: ER-Beratung

Bild: Trotz geringer Wuchshöhe fingen viele Gräser an, in die Notreife zu gehen und Samenstände zu bilden. Bild: ER-Beratung

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