Ausgabe 06 / 2026

vom 10.07.2026

In dieser Ausgabe:

Feldfutterbau als Antwort auf ausbleibende Grünlanderträge

  • Die bisher anhaltende Trockenheit stellt die Grünlandbetriebe im Ringgebiet vor große Herausforderungen. In den vergangenen sechs Wochen fielen während des Aufwuchses für den zweiten und dritten Schnitt je nach Region lediglich zwischen 20 und 80 Liter Niederschlag pro Quadratmeter.
  • Die Folgen sind deutlich sichtbar: Viele Grünlandbestände präsentieren sich sehr lückig und rau. Während einzelne Obergräser noch vorhanden sind, fehlen vielerorts die ertrags- und qualitätsbestimmenden Untergräser. Entsprechend konnten die letzten beiden Schnitte sowohl hinsichtlich Ertrag als auch Futterqualität vielfach nicht überzeugen.
  • Keiner weiß ganz genau, wie es mit dem Wetter die nächsten Wochen weitergeht. Bleibt es aber bei dieser trockenen Witterung, wird es kein gutes Grünlandjahr werden. Umso wichtiger wird es sein, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, um die Gesamterntemenge zu steigern.
  • Eine Möglichkeit zur Futtergewinnung ist der Feldfutterbau nach der Wintergerste oder einer anderen frühen Hauptfrucht. Um das richtige Saatgut hierfür zu kaufen, muss sich der Betriebsleiter klar werden, in welchen Umfang er die Fläche zur Futtergewinnung nutzen möchte.
  • Grundsätzlich wird zwischen verschiedenen Nutzungsdauern unterschieden: einer Nutzung ausschließlich im Herbst mit anschließender Herbstfurche, einer zusätzlichen Nutzung im darauffolgenden Frühjahr mit anschließendem Umbruch und Maisanbau, einer überjährigen Nutzung mit mindestens einem Hauptnutzungsjahr sowie einer mehrjährigen Nutzung.
  • Für eine kurzfristige Futtergewinnung eignen sich schnellwüchsige Gräsermischungen besonders gut, da sie bereits im Ansaatjahr hohe Erträge liefern können.
  • Ein Getreide-GPS-Anbau als Zweitfrucht ist hingegen nur eingeschränkt zu empfehlen. Zwar kann Getreide noch ausreichend Biomasse bilden, für eine wirtschaftliche Ertragsbildung benötigt es jedoch eine längere Vegetationszeit. Diese wird im Spätsommer und Herbst durch die kürzer werdenden Tage und die sinkenden Temperaturen zunehmend begrenzt.
  • Um die geringere Bestockung und das eingeschränkte Wachstum auszugleichen, müsste die Saatmenge um 50 – 80% erhöht werden und die Düngung müsste hauptfruchtmäßig gefahren werden, was das Düngerecht nicht hergibt. Zudem ist mit Rostkrankheiten im Herbst vor allem bei Hafer zu rechnen.
  • Zweitfrüchte mit Anbau vor dem ersten August haben eine eigene Stickstoffbilanzierung (hier klicken für Tabelle). Somit muss eine nach Nutzung errechnete Bilanzierung von Stickstoffdünger erstellt werden. Wird erst später gesät, gilt beim Stickstoff die allseits bekannte 30/60 Regel wie bei den Zwischenfrüchten.
  • Häufig wird der Stickstoffverbrauch der schnellwachsenden Mischungen unterschätzt. Weidelgrasbetonte Mischungen benötigen viel Stickstoff, sonst ist der Anbau nicht rentabel und die Erträge bleiben hinter den Erwartungen zurück.
  • Als Zwischenfrucht mit der Nutzung im Herbst und im Frühjahr eignen sich am besten schnellwachsende Weidelgräser, also Einjähriges Weidelgras, Welsches Weidelgras und sehr frühe Deutsche Weidelgräser. Passende Leguminosen zur Zwischenfruchtnutzung sind Alexandrinerklee, Perserklee, Sommerwicke.
  • Auf das Bastard Weidelgras sollte grundsätzlich verzichtet werden. Eine zusätzliche Ausbreitungsmöglichkeit in einem Grünlandgebiet ist nicht sinnvoll.
  • Soll die Fläche überjährig, also mit einem Hauptnutzungsjahr, genutzt werden, muss auf Einjährige Weidelgräser verzichtet werden. Zottelwicke und Inkarnatklee besitzen eine passable Winterhärte und liefern im Hauptnutzungsjahr einen guten Ertrag und eine hohe Stickstoffnachlieferung für die Folgekultur. 
  • Nur wenn die Fläche mehrjährig genutzt werden soll, lohnt sich der Anbau von Rotklee, Weißklee und Schwedenklee. Als Zwischenfrucht eignen sich diese Kleearten nicht, da sie sich nicht schnell etablieren können. Ergänzend zu den Leguminosen sollte ausschließlich auf ertragsstarke und winterharte Deutsche Weidelgräser zurückgegriffen werden.
  • Beim mehrjähriger Nutzung kann der Kleeanteil gefördert werden, indem man zum zweiten Schnitt im ersten Hauptnutzungsjahr den Schnittzeitpunkt erst dann setzt, wenn der Klee bereits mit der Blüte beginnt.
  • Soll ein mehrjähriger Kleegrasbestand zusätzlich Stickstoff für die Folgekultur bereitstellen, sollte er rechtzeitig umgebrochen werden. Bei einer zu langen und intensiven Nutzung nimmt insbesondere der Anteil des Rotklees im Bestand häufig deutlich ab. Dadurch sinkt auch die biologische Stickstoffbindung, die für die Anreicherung von Stickstoff im Boden verantwortlich ist.
  • Gleichzeitig steigt der Anteil der Gräser, insbesondere der Weidelgräser, die den verfügbaren Stickstoff für ihr Wachstum nutzen. Dadurch verringert sich der Stickstoffnachlieferungseffekt für die nachfolgende Kultur. Wer die positive Vorfruchtwirkung von Kleegras bestmöglich nutzen möchte, sollte daher den Umbruch nicht zu lange hinauszögern und den Bestand auf einen ausreichenden Kleeanteil kontrollieren.
  • Gräsermischungen zur Feldfuttergewinnung sollten grundsätzlich wie eine Hauptfrucht mit der Kreiselsäkombination ausgesät werden. Nur so können eine gleichmäßige Saatgutablage, ein sicherer Feldaufgang und eine zügige Jugendentwicklung gewährleistet werden.
  • Für den Aussaattermin gilt grundsätzlich: Je früher, desto besser. Eine frühe Saat ermöglicht eine längere Vegetationszeit und damit höhere Erträge im Ansaatjahr. Dennoch sollte die Witterung bei der Terminwahl sorgfältig berücksichtigt werden. Insbesondere bei trockenen Bodenverhältnissen kann es sinnvoll sein, auf ausreichende Niederschläge zu warten, um einen gleichmäßigen Feldaufgang und eine rasche Bestandesentwicklung sicherzustellen.
  • Die aktuelle Wettersituation bleibt weiterhin angespannt. Zwar ist derzeit in vielen Regionen ausreichend Bodenfeuchtigkeit vorhanden, um ein zügiges Keimen der Saat zu ermöglichen. Die weitere Bestandesentwicklung hängt jedoch maßgeblich von der Witterung in den Wochen nach der Aussaat ab.
  • Sollte nach dem Auflaufen erneut eine längere Trocken- und Hitzeperiode folgen, besteht die Gefahr, dass die jungen Keimlinge aufgrund ihres noch wenig entwickelten Wurzelsystems vertrocknen. In solchen Fällen kann es zu erheblichen Bestandeslücken kommen, die unter Umständen eine Nachsaat oder sogar eine vollständige Neuansaat erforderlich machen.

Bilder: Mehrjährigesfeldfutter, mit Schweden- Rotklee und Weißklee. Quelle ER-Beratung

Bild: Feldfutterbau sorgt für hohe Erträge um Futterlücken zu stopfen. Quelle ER-Beratung

Bild: Beim Anbau sollte immer das Wetter beobachtet werden, damit die Saat nicht vertrocknet. Quelle: Kachelmannwetter.com

 

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